Rechtsformwahl & Haftung

– Welche Rechtsform ist die richtige für DEIN Unternehmen? –

 Anhand bestimmter Kriterien kannst du die optimalste Rechtsform für dein Unternehmen auswählen.

Klicke hier, wenn du eine schnelle Einführung in die relevanten Rechtsformen brauchst.

Wir werden die relevanten Rechtsformen anhand vier Kriterien…

  1. Haftung
  2. Gründungsaufwand
  3. Kapitalbeschaffung
  4. Publizitätspflichten & Steuerliche Aspekte

…miteinander vergleichen, durchdiskutieren und abwägen.

1. Kriterium – Haftung

Das mit Abstand wichtigste Kriterium für die Wahl der Rechtsform ist das Haftungsrisiko! Denn jedes Geschäftsmodell bzw. Geschäftstätigkeit ist zu einem gewissen Grad an Haftungsrisiken gebunden, die einer passenden Rechtsform bedürfen. Deshalb beantworte dir zunächst die Fragen WAS genau du unternehmen willst und WIE du es anstellen möchtest. Sind diese Fragen abgearbeitet, wird sich die Rechtsform ziemlich schnell finden.

Beispiel:

Du kommst auf die Idee als Einzelunternehmer Kinderspielzeuge aus Kunststoff mit eigenem Branding über einen Onlineshop zu vertreiben. Die Waren importierst du aus einem Drittland außerhalb der EU. Wer haftet, wenn (warum auch immer) irgendetwas mit deinen Produkten nicht stimmt?  Also bspw. gesundheitliche Nebenwirkungen verursacht werden und erste Klagen auftauchen?

Nach § 1 des ProdHaftG haftet grundsätzlich der Hersteller. Jedoch fällt unter diesem Begriff nach § 4 ProdHaftG auch der Importeur eines Produktes von außerhalb der EU, sowie Händler mit eigenem Produktbranding.

Da du als Einzelunternehmer tätig bist, würdest du unbeschränkt mit deinem privaten Vermögen haften.

Für welche Rechtsform hättest du dich besser entschieden?

Wäge für dein Geschäftsmodell die Haftungs-Risiken ab und entscheide, in welchem Umfang du für deine Geschäftstätigkeit haften willst bzw. kannst.

Vergiss also das Worst-Case-Szenario auch im Bezug auf die Haftung nicht. Gerade Startups, die innovative Geschäftsmodelle realisieren wollen, sind von hoher Unsicherheit gekennzeichnet. Erst kürzlich sorgte die Schlagzeile über den tödlichen Unfall eines von Uber Corporation entwickelten autonom-fahrenden Fahrzeuges für Furore.

Wer haftet in so einem Fall? Bei solchen Risiken ist ein Startup in Form einer Kapitalgesellschaft sicherlich besser beraten.

Haftung bei natürlichen Personen

Alle Einzelunternehmen und Personengesellschaften wie bspw. die GbR haften immer unbeschränkt mit ihrem Geschäfts- und Privatvermögen. Das ist deswegen so, weil Einzelunternehmen und Personengesellschaften natürliche Personen sind. Und natürliche Personen sind nach dem Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) immer Menschen. Soll heißen: Die Haftung für die Schulden deines Unternehmens betrifft dich direkt als Privatperson. Bei Personengesellschaften ist es zudem empfehlenswert im Gesellschaftsvertrag zu regeln, wie die Haftung zwischen den Gesellschaftern verteilt ist.

TIPP: Auch eine Betriebshaftpflichtversicherung würde entgegenkommen.

Nice to know: Apropos Haftung, kaum zu glauben, aber wusstest du, dass die ehemalige Drogeriekette namens „Schlecker“ ein Einzelunternehmen war? Stichwort: Persönliche Haftung.

Haftung bei einer GmbH

Kapitalgesellschaften wie bspw. die GmbH und UG haften als juristische Personen i.d.R. beschränkt mit dem Gesellschaftsvermögen. Das ist wichtig zu verstehen und darf mit der Stammeinlage nicht verwechselt werden.

Das (Gesellschafts-)Vermögen einer GmbH wird durch das Stammkapital definiert und muss mindestens aus 25.000 € bestehen. Dieses Stammkapital von 25.000 € steht, im Falle einer Haftung, mindestens den Gläubigern zu (deshalb auch Mindest-Stammkapital genannt).

Bei einer Kapitalgesellschaft ist das Gesellschaftsvermögen aber immer das gesamte Vermögen eben dieser juristischen Person.

Das heißt: Das Gesellschaftsvermögen kann sich immer wieder ändern und somit höher als das Stammkapital ausfallen. Wenn also das Gesellschaftsvermögen höher als die Stammeinlage ist, kann auch die Haftung höher ausfallen. Diese Haftung beschränkt sich aber „nur“ auf das gesamte Gesellschaftsvermögen.

Gut zu wissen:

Die GmbH kannst du auch mit dem hälftigen Betrag, also 12.500 €  des erforderlichen Stammkapitals von 25.000 € gründen. Bis zur vollen Einbringung von 25.000 € haftest du bzw. haften die Gesellschafter persönlichen für den fehlenden  Differenzbetrag. Des Weiteren kann auch der Geschäftsführer einer GmbH mit seinem Privatvermögen haften, wenn er falsche Handlungen in der Geschäftstätigkeit durchführt und durch dieses Verhalten Schaden verursacht worden ist. Auch kann er in Haftung genommen werden, wenn er trotz drohender Zahlungsunfähigkeit nicht die Insolvenz beantragt. Dadurch können betroffene Stakeholder (Gesellschafter, Gesetzgeber und Dritte) Ersatzansprüche gegen den Geschäftsführer fordern.

Und wie sieht das ganze Spiel bei der UG aus?

Haftung bei einer UG

Wie du bereits erfahren hast, ist bei Kapitalgesellschaften die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt. Da sich eine UG rechtlich auf das GmbH-Gesetz bezieht, wird sie auch als solches behandelt.  Demgegenüber hat die UG aber bestimmte Erleichterungen und besondere Pflichten.

Wie bei einer GmbH, haften die Gesellschafter einer UG nur in Höhe des erbrachten Stammkapitals und insgesamt mit dem Gesellschaftsvermögen. Die UG kannst du allerdings schon mit einer symbolischen Stammeinlage von 1 € gründen. In diesem Sinne benötigst du für die Gründung einer UG kein Haftungskapital (wie bei einer GmbH).

Das heißt: Da du mit einer UG typischerweise ein Gesellschaftsvermögen von weit unter 25.000 € hast, haftest du “nur” mit all dem was in dieser Gesellschaft eben an (Gesellschafts-)Vermögen vorhanden ist.

Ja, es ist verlockend eine UG zu gründen. Du kannst mit einem Stammkapital von 1 € alle Vorteile einer GmbH nutzen. Jedoch sollte sich aber deine Kapitalausstattung immer am konkreten Bedarf deines Geschäftsmodells orientieren, um eine vorzeitige Insolvenz zu vermeiden. Des Weiteren musst du noch an den Gründungsaufwand, wie bspw. die Notargebühren, denken, um nicht schon bei der Gründung zahlungsunfähig zu sein! Auch solltest du bedenken, dass die UG aufgrund mangelnder Haftungsmasse, ein eher schlechteres Image gegenüber potenziellen Stakeholdern hat.

Wichtig zu wissen: Der Gesellschafter-Geschäftsführer muss sich trotzdem an einige Spielregeln halten, um eine persönliche Haftung zu vermeiden.

Das was für den GmbH-Geschäftsführer gilt, gilt auch für den UG-Geschäftsführer. Des Weiteren ist die Rücklagenbildung Pflicht. Die Pflicht zur Rücklagenbildung dient dem Anhäufen der Haftungsmasse. Wenn vorhanden, dürfen Gewinne einer UG nicht in voller Höhe ausgeschüttet werden. Du musst 25 Prozent deines Gewinns so lange in eine gesetzliche Rücklage einzahlen, bis das Mindeststammkapital von 25.000 Euro aufgebracht ist und die UG in eine GmbH umgewandelt werden kann. Du kannst aber natürlich trotzdem deine Rücklagen verwenden, um weitere Investitionen zu tätigen. Insgesamt haftest du persönlich, bei Verstößen gegen die strengen Regeln über das GmbH-Kapital.

Hier geht es weiter mit dem 2. Kriterium: Gründungsaufwand