Einzelunternehmen

Übst du alleine eine selbstständige Tätigkeit als natürliche Person aus, gehörst du in die Kategorie der Einzelunternehmen. Dann bist du das Unternehmen in Personalunion. Das heißt auch, dass du weder Partner noch mitbestimmende oder stille Teilhaber hast. Vielleicht das Wichtigste, was du dazu wissen musst, ist, dass dein Einzelunternehmen mit privater Haftung verbunden ist.

Warum? Weil du als natürliche Person das Unternehmen bist! Das heißt, alles, was dein Unternehmen betrifft, betrifft auch dich als Person.

Wichtig zu wissen: Nach der Gründung eines Einzelunternehmens wird aus deinem Privatvermögen gleichzeitig das Betriebsvermögen gebildet.

Einzelunternehmen werden grundsätzlich in drei Formen unterschieden:

– Kleingewerbetreibende

– eingetragene/r Kaufmann/-frau

– Freiberufler

Kleingewerbetreibende

Zunächst muss jeder, der sich selbstständig machen möchte und dadurch beabsichtigt Gewinne zu erzielen, ein Gewerbe anmelden. Dabei ist unerheblich, für welche Rechtsform du dich entscheidest. Ausgenommen sind Freiberufler (z.B. Ärzte, Rechtsanwälte) und Tätigkeiten in der Urproduktion (z. B. Land und Forstwirte).

Unter dem Begriff Gewerbebetrieb fallen Industrie- und Handwerksbetriebe, Händler aller Art und die meisten Dienstleister. Kurz gesagt: Deiner unternehmerischen Absicht sind keinerlei Grenzen gesetzt (solange sie legal ist).

Die meisten Sologründer starten mit einem Kleingewerbe. Formell gesehen ist das auch die einfachste und günstigste Form einer Gründung. Du brauchst kein Mindestkapital, dafür haftest du mit deinem privaten Vermögen. Normalerweise sollte das aber nicht allzu gravierend sein, da du als Kleingewerbetreibender sowieso „klein“ sein musst und damit die Risiken überschaubar ausfallen.

Die Frage, die sich hier jedoch stellt ist:

Wie “klein” ist ein Kleingewerbebetrieb? Bzw. wann endet die Reise als Kleingewerbetreibender? Die Frage ist deshalb so wichtig, weil du für dein Vorhaben nicht unbedingt als eingetragener Kaufmann (e.K.) fungieren bzw. eine aufwendige Kapitalgesellschaft gründen musst.

Nach dem Handelsgesetzbuch (§ 1 Absatz 2 HGB) wirst du der Kategorie Kleingewerbe zugeordnet, wenn dein Geschäftsbetrieb wegen geringer Art und Umfang keine kaufmännische Einrichtung erfordert.

Kaufmännische Einrichtung heißt nichts anderes als kaufmännische Buchführung und Bilanzierung, Bezeichnung (Firma), Ordnung der Vertretung sowie Haftung.

Und die Art (qualitativ) und der Umfang (quantitativ) deines Gewerbes kann – nach allgemeiner Verkehrsanschauung – anhand folgender Kriterien ermittelt werden:

Art der Geschäftstätigkeit Umfang der Geschäftstätigkeit
– Menge der angebotenen Produkte u. Dienstl. – Umsatzvolumen im Bereich von 175.000 – 300.000 Euro
– Anzahl der Geschäftsbeziehungen – Betriebsvermögen ab ca. 100.000 Euro
– Inanspruchnahme von Fremdfinanzierung (bis 50.000 €) – Anzahl u. Funktion der Mitarbeiter (i.d.R ab 5)
– Teilnahme am Wechsel- u. Scheckverkehr – Größe des Geschäftslokals
– Internationale Geschäftstätigkeit – Zahl u. Orga. der Betriebsstätten / Standorte
– Umfangreiche Werbung – Auslandsfilialen

 

Was heißt das jetzt konkret für dich?

Befindest du dich im Rahmen dieser Kriterien, wirst du vom Gesetzgeber als sog. Kann- bzw. Nichtkaufmann eingestuft. Streng genommen gibt es die Rechtsform „Kleingewerbetreibender“ auch nicht. Eigentlich ist man dann ein gewerbetreibender Einzelkaufmann, der die Kaufmannseigenschaft nach dem Handelsgesetzbuch (kurz HGB) nicht besitzt. Auch wird von einem kleinen Einzelunternehmen gesprochen. Dein Unternehmen muss dadurch nicht ins Handelsregister eingetragen werden, dessen Sinn und Zweck es ist, die Öffentlichkeit die gewünschten Informationen über deinen kaufmännisch geführten Betrieb zu geben. Der Gesetzgeber möchte dir damit auch etwas entgegenkommen. Da das HGB für „Nichtkaufleute“ keine Anwendung findet, gelten nur die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches (kurz BGB).

Das heißt für dich: Weniger bürokratischer Aufwand!

Du musst also keine Bilanzen erstellen, niemand fordert eine Inventur von dir. Eine lästige Veröffentlichungspflicht gibt es auch nicht. Und eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung reicht völlig aus. Das ist schon ne Menge Holz. Ein Nachteil wäre aber, dass du keinen Phantasienamen ausdenken und unter diesen Namen deine Firma führen darfst.

Falls die Art und/oder der Umfang deines Gewerbes nicht klein genug ist und du gewisse Grenzen überschreitest, wirst du als (Ist-)Kaufmann eingestuft. Dann musst du dich als eingetragene/r Kaufmann/-frau ins Handelsregister eintragen und darfst dich auch mit den Rechten und Pflichten des Handelsgesetzbuches (kurz HGB) anfreunden.

Des Weiteren wird aus dieser allgemeinen Verkehrsanschauung deutlich, dass ein Kleingewerbebetrieb nicht unbedingt ein Nebengewerbe sein muss. Du kannst ja beispielsweise auch in Vollzeit mit zwei Aushilfskräften einen kleinen Fachhandel für DJ-Equipment oder einen Brautmodengeschäft betreiben und trotzdem noch ein Kleingewerbetreibender sein. Maßgeblich ist immer das Gesamtbild deines Unternehmens und am Ende des Tages eine Einzelfallentscheidung bei deinem zuständigen Finanzamt. Lass dich vorher einfach bei deiner IHK beraten!

Randbemerkung: Das Nebengewerbe wird durch die gesetzliche Krankenkasse definiert. Arbeitest du nebenberuflich weniger als 20 Stunden/Woche und verdienst damit weniger als im Angestelltenverhältnis, betreibst du ein Nebengewerbe.

TIPP: Am Anfang deines unternehmerischen Daseins kannst du dich auch als Kleingewerbetreibender an den Markt „herantasten“ und dich jederzeit ins Handelsregister eintragen lassen, wenn du die Vorteile eines eingetragenen Kaufmannes genießen willst. BEACHTE: Kleingewerbetreibende, die sich im Handelsregister eintragen lassen, werden automatisch zu (Ist-)Kaufleuten!

Übrigens: Nach diesen Kriterien (Art und Umfang) werden auch die GbR und OHG unterschieden, mehr dazu findest du hier.

Eingetragene/r Kaufmann/-frau (kurz e.K.)

Unter den Einzelunternehmen werden eingetragene Kaufleute dadurch charakterisiert, dass sie einen in kaufmännischer Art und Weise eingerichteten Betrieb führen (§ 1 Absatz 2 HGB). Die Führung, Überwachung und Lenkung eines in kaufmännischer Art und Weise eingerichteten Betriebes setzt eine gewisse Komplexität und Größe voraus.

Solltest du jetzt keinen Handy-Reparatur-Laden um die Ecke gründen (Stichwort: Kleingewerbetreibende), sondern hast etwas Größeres vor, dann wirst du i.d.R. einige dieser Grenzen überschreiten. Andernfalls wirst du als Kleingewerbetreibender behandelt.

Für eingetragene Kaufleute finden die handelsrechtlichen Pflichten nach dem HGB Anwendung. Damit ist es dir erlaubt, eine „Firma“ zu führen, das heißt du darfst dir einen Fantasienamen ausdenken, unter dem deine Geschäfte betrieben werden (Anmerkung: Firmenwert durch Firmennamen). Nichtkaufleute müssen dagegen grundsätzlich mit ihrem bürgerlichen Namen handeln. Des Weiteren darfst du eine oder mehrere Zweigniederlassungen gründen, sowie dich auch durch einen Prokuristen, Handlungsbevollmächtigen und Ladenangestellte vertreten lassen. Allerdings musst du im im Gegensatz zum Kleingewerbetreibenden Handelsbücher führen, Inventur machen und Bilanzen erstellen.

Als eingetragene/r Kaufmann/-frau hast du einfach mehr Möglichkeiten und Freiheiten aber auch mehr Pflichten. Mache dir also im Businessplan Gedanken darüber, ob du einige der oben genannten Grenzen überschreiten wirst.

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